25. März 2010
Voller Erfolg!
Fachtagung „Jugendgemäße Gottesdienste“ mit außerordentlicher Teilnahme
Nordwalde – Über 90 Menschen, die sich in Kirchengemeinden mit Konfirmanden- und Jugendarbeit beschäftigen, waren am Donnerstag, 25. März, zur Fachtagung mit dem Thema „Konfirmandenarbeit auf dem Prüfstand – Jugendgemäße Gottesdienste“ in der Evangelischen Jugendbildungsstätte nach Nordwalde gekommen. Ziel des Tages war es, Jugend- und Konfirmandenarbeit in ihrer Zusammenwirkung weiter zu entwickeln, Konzepte und Ideen dazu zu präsentieren und zu entwickeln sowie Mitarbeitende und Institutionen in diesem Arbeitsfeld zu vernetzen.
„Wir hatten noch nie so viele Teilnehmende und vor allem auch noch nie so viele Jugendliche, also Ehrenamtliche, bei dieser Tagung“, freut sich einer der drei Veranstaltungsleiter und Jugendpfarrer Volker Rotthauwe. Die Anmeldezahlen hätten sich im Vergleich zu den Vorjahren verdoppelt bis verdreifacht. Es sei auch ein Trend, dass ganze Teams aus der Konfirmandenarbeit anreisten. Das zeige, wie aktuell das Thema offenbar sei, zu dem in diesem Jahr eingeladen war. Die jährliche Veranstaltung ist ein Angebot der Evangelischen Jugendbildungsstätte Nordwalde in Kooperation mit dem Pädagogischen Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und dem Amt für Jugendarbeit der EKvW. Es ist die einzige, überregionale Veranstaltung, zu der traditionell Mitarbeitende aus allen Bereichen der Jugendarbeit zusammen kommen: Zu etwa einem Drittel waren jeweils ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitende sowie Pfarrerinnen und Pfarrer nach Nordwalde angereist. Neben einem Impulsreferat konnten die Teilnehmenden in Workshops zur jugendgemäßen Gottesdienstkultur in Westfalen arbeiten. Dabei lagen die Schwerpunkte auf „Konfi-Projekt“, Jugendkirche, „Check it out“ und Beteiligungs- und Mitmachaktionen im Jugendgottesdienst, zu denen der Vorbereitungskreis jeweils Referenten aus der Praxis eingeladen hatte.
„Wodurch ließe sich das Interesse am Gottesdienst steigern?“ war die Leitfrage des Impulsreferats. Pfarrer Thomas Böhme-Lischewksi vom Pädagogischen Institut der EKvW referierte bei der Fachtagung über die EKD-Studie zur Konfirmandenarbeit aus dem vergangenen Jahr. Diese Studie belegte frühere Erfahrungen: Wo Konfirmandinnen und Konfirmanden in die Gestaltung mit eingebunden sind, gibt es eine Akzeptanz und Identifikation mit dem Gottesdienst, statt Langeweile, Frust und Protest. In der Umfrage der EKD-Studie war die Erfahrung der Konfirmanden mit Gottesdiensten die am schlechtesten bewertete. Sind die Erwartungen und Erfahrungen zu Beginn der Konfirmandenzeit schon gedämpft, so verschlechterten sich die Bewertungen im Laufe der Zeit nochmals deutlich. Böhme-Lischewksi wagte einen Ausblick auf zukünftige Gottesdienst-Praxis in der Konfirmandenarbeit: Ein bis zwei Gottesdienste im Laufe der Konfirmandenzeit zusammen vorzubereiten und zu gestalten, sei leistbar. Gerade auch durch die Mitarbeit von ehrenamtlichen, jugendlichen Teamern seien Konfirmanden durchaus interessiert und motiviert. Gottesdienste, in denen Konfirmanden beteiligt seien, würden auch die gesamte Gemeinde verändern: „Wenn man die Konfirmandinnen und Konfirmanden anspricht, erreicht man unter Umständen auch Menschen, an die man vorher gar nicht gedacht hat“, machte der Referent Mut. Er erinnerte daran, dass außer den Jugendlichen oft auch deren Eltern zum Jugendgottesdienst kommen und sich angesprochen fühlen, denn Jugendgottesdienste sind meist auch verständlicher als traditionelle Gottesdienste. Die Bindung der Konfirmandeneltern durch den Konfirmandenunterricht sei für die Gemeinde grundsätzlich nicht zu unterschätzen: „Konfirmandeneltern nehmen die Konfirmandenarbeit durch ihre Kinder wahr und sie nehmen auch Kirche dadurch wahr.“
„Wie kommt es denn, dass zwischen den Bedürfnissen der Konfirmanden und der Umsetzung in den Gemeinden immer noch eine Lücke klafft?“, fragte Jugendpfarrer Volker Rotthauwe. Ein junger Teilnehmer äußerte eine Vermutung zum Festhalten an den traditionellen Gottesdienstformen: „Vielleicht fehlt einfach der Mut, an Grenzen zu gehen, ohne jedoch gleich die Grenzen zu überschreiten.“ Dabei sei die Tatsache, dass über 90% der evangelischen Jugendlichen zum Konfirmandenunterricht gehen, einmalig: In keinem anderen Bereich gebe es eine so hohe Teilnahme jedes Jahrgangs. Dem gelte es, auch in der Gottesdienstgestaltung gerecht zu werden. Für Udo Bußmann vom Amt für Jugendarbeit der EKvW ist das eine große Chance für Kirche: Wer diese Jugendlichen heute erreiche, präge entscheidend auch die Kirche der Zukunft.
Simone Lehnert